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Grußwort

GemeindebriefLiebe Leserinnen liebe Leser,

„Du bist ein Gott, der mich sieht.“
Mit dieser Jahreslosung aus dem ersten Buch Mose starteten wir in das Jahr 2023.
Was hat Gott in diesem Jahr alles gesehen ?

Krieg und Terror fallen mir sofort ein. Sie führen auch uns vor Augen, wie schrecklich der Mensch sein kann. Ich denke aber auch sofort an das Leid derer, die um einen lieben Menschen trauern, weil sie Abschied nehmen mussten in diesem Jahr. Mir fallen Menschen ein, die gegen eine schwere Krankheit kämpfen. Was ist mit den Naturkatastrophen, die zunehmen. Hat er die Politik in unserem Land, in Europa und der Welt gesehen? Populistische und nationale Reden sind hoch im Kurs und machen mich traurig. Ihn auch? Wenn jeder Staat, jeder Landkreis, jede Gemeinde, jeder Mensch nur noch auf sich schaut, wohin führt das? Sieht Gott das alles? Sieht er auch jene die sich einsetzen für die Gemeinschaft, für Kinder und Jugendliche, für Familien und Alleinstehende, für Einsame und Kranke, für Flüchtlinge und ein gutes Miteinander im Dorf und im Landkreis. Sieht er, was die Menschen fühlen, was sie traurig macht und jene Menschen, die sich einsetzen für den Frieden in der Gesellschaft und in der Welt? Ich glaube, dass er es noch viel deutlicher sieht als wir und höre die Frage, warum er so viel Leid, so viel Angst und Verunsicherung zulässt? So wie er Mensch wurde und einst Wunder geschehen ließ, könnte er doch einschreiten, wenn er wollte? Will er etwa nicht?

Die Advents- und Weihnachtszeit gibt uns die Antwort: Wir erwarten einen König, der anders ist, als die weltlichen Herrscher und als wir Menschen denken. Wir erwarten jenen, der als Kind zur Welt kam, in einer Nacht, im Stall. Ihn feiern wir und auf ihn hoffen wir. Er will, dass Frieden einkehrt in unsere Herzen, in unsere Häuser, in unsere Welt, aber ohne Kampf und Gewalt. Unscheinbar kam er in diese Welt und doch wirkungsvoll, weil ihn seit über 2000 Jahren Menschen beachten, verehren und nach ihm leben wollen, sich Christen nennen.
Jenen will die Jahreslosung für 2024 die Richtung weisen: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“ (1. Korinther 16,14).
Solch ein Satz mag uns dabei vielleicht unmöglich erscheinen, doch es gilt nicht zu vergessen, dass jener, den wir im Advent und an Weihnachten feiern, nur unsere Hände und Füße, unsere Stimmen und Augen hat, damit sich etwas verändert und wenn wir ehrlich sind, und wirklich unser Leben betrachten, dann ist die Liebe so nötig zum Leben, wie die Luft zum Atmen. Was passiert, wenn man das, was man tut, nicht mit Liebe tut: Pflicht ohne Liebe macht verdrießlich, Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos, Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart, Klugheit ohne Liebe macht gerissen, Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch, Ordnung ohne Liebe macht kleinlich, Ehre ohne Liebe macht hochmütig, Besitz ohne Liebe macht geizig, Glaube ohne Liebe macht fanatisch. Mit diesen Gedanken von Ulrich Heidenreich wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit, so wie Gottes Segen für 2024!

Anne SalzbrennerIhre Anne Salzbrenner, Pfarrerin/Dekanin
PS. Wer noch näher über die Jahreslosung nachdenken will: Am Neujahrstag predige ich darübe