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Grußwort

GemeindebriefLiebe Leser/innen,

wann haben Sie sich zum letzten Mal ernsthaft mit einem Kind unterhalten, ohne, dass Sie bei sich dachten, sie unterhalten sich nur mit einem Kind. Ich habe das Glück, dass sich durch meinen Beruf Kinder immer wieder mit mir ernsthaft unterhalten und ich mit ihnen ernsthafte Gespräche führen darf.

Sie erzählen dann von ihren Sorgen und Nöten, von dem was sie erlebt haben, was sie lustig finden, oder was sie nicht verstehen. Es sind häufig nur kurze Gespräche, doch wenn ich sie in mir nachklingen lasse, dann spüre ich immer wieder, wie sie mein Leben bereichern.

Oft staune ich darüber wie genau Kinder nachdenken und was sie alles beobachten. Kinder sind große Wunder, in ihrer Vielfalt, ihrer Offenheit und ihrer Verschlossenheit. Und ich fange an zu begreifen, warum Gott in einem Kind zur Welt kam.

Die Kinder, die ich erlebe, sind dabei sicher nicht Jesus selbst, aber sie weisen mich, mitten im hektischen Erwachsenenalltag, auf Jesus hin. Sie machen den Blick frei für das Wesentliche im Leben.

Mir geht dabei ein Weihnachtslied durch den Sinn: „Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh; Maria und Josef betrachten es froh." Es mag ganz natürlich sein, dass Eltern, glücklich über die Geburt ihres Kindes, das Kind voller Begeisterung betrachten.
Und das ist es, worum es in der Advents- und Weihnachtszeit geht. Es geht um das KIND, das wir erwarten und das da im Stall liegt. Sterne, Engel, Tannenzweige, Backen und Basteln, auch das Schenken, das ist Beiwerk und wir müssen aufpassen, dass wir davon nicht unseren Blick gefangen nehmen lassen. Oft passiert es, dass wir die Hirten eher betrachten, als Jesus. Wir überlegen, was da alle an der Krippe gefühlt und gedacht haben. Und auch ich erzähle bei mancher Adventsfeier gerne aus Sicht von Stroh und Krippenmaus, vom Ochs oder vom Esel.

ABER: „Wie sieht Weihnachten aus Sicht des Kindes aus?" Lag es in der Krippe, oder wurde es von Maria und Josef nicht viel eher im Arm gehalten, geschützt vom eigenen Körper.

Ich glaube es war keine Verlegenheit Gottes, dass er in einem Kind Mensch geworden ist. Ich bin mir sicher, er wollte uns damit etwas sagen!

Ein Kind hat bei aller Verletzlichkeit eine unglaubliche Macht über uns. Wer - psychisch kranke Menschen ausgenommen - könnte ein Kind von sich weisen, wenn es ihn um Schutz bittet, wer könnte es wegschicken, weil ihm Geld und Gut wichtiger ist? Wen lässt ein Kind kalt?

Anne Salzbrenner

Wen lässt ein Kind kalt? Gehen wir dem Kind entgegen, feiern wir das Kind der Heiligen Nacht und einmal nicht den Auferstandenen, nicht den starken, wundersamen, liebevollen Wanderprediger, sondern das Kind, das uns braucht und das doch so mächtig ist, weil es unser Herz berührt.

Ich wünsche eine gute Zeit!

Gott befohlen, Ihre Anne Salzbrenner, Pfarrerin